Friedrich Gräsel

WERKSTATTNOTIZ 6.1.1979

 

 

Mein Arbeiten hat sich aus der Verwendung beliebiger Hohlformen zum Gebrauch eines Kanons von Grundformen fortentwickelt (1963-69). Dabei habe ich die abbildhafte Mitrealität (Bäume, Büsten, Maschinen, -Anatomisches, Pflanzliches) in schmucklose, aber plastische Formen überführt (1966-69). Zurück blieb eine auf Zylinder und Kuben zusammengeschmolzene Symbolform: 

Der Quader, --- auf manche Weise und in viele Teile zerlegbar, in Vollformen und Hohlformen, ---

kein ready-made (M. Duchamp)

kein objet-trouvé (K. Schwitters)

kein Fundstück-minimal (H. Ohff)

keine blank-form als ausschließlich physikalische Selbsterfahrung (R. Morris)

• Es blieb eine minimal-form als Form und Inhaltsträger

• Für "WELT", für "ERDE", - ein in seinen Teilen voneinander abhängiges, systematisch geordnetes, konviviales Material. – 

Es besteht aus konvergierenden Grundformen (Kubus/Zylinder), ist, das rationale Konzept betreffend, eine "kalkulierte Raumkonzeption" (K. Thomas) aus linearen und volumenhaften Elementen, - eröffnet durch Formkombinationen ein Feld endloser physikalischer, raumplastischer Beziehungen, die INNEN, AUSSEN, und ZWISCHEN das stellen.-

Das Material ermöglicht indirekt durch Abdrücken, direkt durch Projektionen und Umräumen oder Wenden, Ornamente, Spuren und Choreografien raumzeitlicher Bewegungen. -

Grafische Symbolformen eines Schnittformenkanons machen sichtbare und unsichtbare Durchdringungen anschaulich. –

Zeichenhafte Formenkombinationen wie TORE, STELEN, KETTEN, KREUZE, BÜNDEL, in Röhren-Landschaften – oder  minimal-Strukturen, in kubischen Architekturen und Funktions-Skulpturen bringen plastische Formen in funktionellen und sinngebenden Zusammenhang mit Landschaft und Architektur durch Klang, Zeichen und Veränderbarkeit.-

Grundformen im Zusammenhang mit Klang, Zeichen und Bewegung schaffen ein flexibles Verhältnis zum Maßstäblichen, -es wird möglich, Plastik und Raum zu vertauschen! –Haut und Konstruktion schaffen unterschiedliche Lesarten wahrnehmbarer Formen. Raumplastiken als plastische Räume verdeutlichen die Ambivalenz der ästhetischen Erfahrung und verweisen auf Symbolhaftes.

Durch radikale Vereinnahmung trivialästhetischer Erfahrungen und unter Verwendung industrieller Produkte und Produktionsmethoden für die Kunst, kann die Mitrealität unserer Umwelt in der Kunst gespiegelt und aufgehoben werden, - wird Kunst menschenmöglich und human. -----GRÄSEL